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Dienstag, 8. Juli 2014

Der Fleischstreichler


Es ist ja kein Geheimnis, dass wir bei Hundertachtziggrad immer wieder von Eline inspiriert sind. Obwohl ich natürlich froh bin, dass ich in meinem Praktikum nicht an Ihrer Gründlichkeit und Sachlichkeit gemessen werde.

Aber Ihre Rubriken, in denen Sie uns an Ihren Genussplätzen und Genussquellen teilhaben lässt, lese ich immer besonders gerne.

Und heute fühle ich mich irgendwie bemüssigt, auch einmal über einen besonders geschätzten Genusshandwerker zu berichten.

"Zu dem gehe ich nicht, der verabschiedet sich ja von jedem Rädchen Wurst einzeln." oder "Bis der sein Fleisch zurechtgestreichelt hat..."

Trüfelsuchen dauert eben!
Anhand dieser Zitate von Nichtkunden erkennt der Insider sofort, das hier vom Metzger Schweizer in Kemnat die Rede sein muss. Und es stimmt schon. Der Meister nimmt sich Zeit für Dich. Allerdings auch für jeden anderen Kunden vor dir.

Und die Kunden sind sich einig, dass es sich um eine Spitzenadresse handelt.

Dabei erweckt das Ambiente nun wirklich nicht diesen Eindruck. Die Fassade des Gebäudes wird der trögen Durchgangsstraße gerecht, an der das Gebäude steht. Der Verkaufsraum entspricht dem Fleischereifachgeschäftscharme der späten Siebziger und die Auslage wird ganz sicher nicht im Stil einer "Schlemmer-Metzgerei" dargeboten.

Besonders klein ist die Auslage übrigens beim Fleisch. Dafür bildet sich dort die längste Schlange. Das liegt daran, dass häufig erst geschildert wird, was denn so geplant ist, der Meister nachdenkt, was dafür in Frage kommt, in den Kühlraum eilt, mit einem riesigen Fleischstück zurückkommt, an diesem zeigt, was er vorschlägt,  dann wieder nach draußen geht, um das entsprechende Stück heraus-zuschneiden und dann vor den Augen des Kunden zuzurichten, "Zurechtstreicheln", wie die meisten sagen.

Schön ist auch, wenn er, schon im Begriff das Gewünschte herzurichten, fragt, was denn damit gemacht werden soll. "Oh nein, dafür ist das Fleisch noch nicht genügend abgehangen! Gut dass ich gefragt habe." Und schwupps ist das besagte Stück wieder in der Kühlung. "Dafür nehmen wir lieber..."

Selbstverständlich gehört auch ein Austausch über die Zubereitungsmethode, Kerntemperatur und Beilagen mit zum Einkauf.

Völlig normal ist dort auch, dass Kunden anrufen und nachfragen, wie das nochmal war, mit der Ofentemperatur und wie lange.

Und eigentlich ist der Metzger Schweizer auch schuld am heutigen Rezept. Weil diese hohe Rippe, die er mir verkaufte, so sensationell gereift war, dass das Produkt die Zubereitung vorgab:

Freitag, 29. November 2013

Weinrallye #69 - Wein und Lyrik



An jedem letzten Freitag im Monat findet in der Wein- und Genussbloggosphäre die Weinrallye statt.

In diesen Monat ruft Dr. Marc Herold als Gast auf Ralf Kaisers Blog Weinkaiser zum Thema "Wein und Lyrik" auf. Harte Nuss, die er uns da zu knacken gegeben hat, obwohl es doch auf der Hand liegt. Guter Wein ist Poesie … nein, der Spruch ist mir dann nun doch zu abgenudelt. Hoffentlich fällt mir etwas Besseres ein.






 


"Schatz," sagte mein Vater beim Sonntagsessen immer pflichtschuldig, "Schatz, das Essen war mal wieder ein Gedicht." "Aber es reimt sich nicht." pflegte meine Mutter ungerührt ob des holprigen Versmaßes zu antworten.  "Der Wein auch, auch – ein Gedicht" schob Vatern noch schnell hinterher, immer darauf bedacht, alle Leistungen der Hausfrau gebührend zu würdigen. Sie waren damals schon länger verheiratet, da hatte sich das eingespielt und größere Katastrophen "…stundenlang steh ich in der Küche rum, und nicht das kleinste Wörtchen Anerkennung…" wurden zuverlässig verhindert.

Was also besonders gut für Leib und Seele ist, ist ein Gedicht.

Gedicht ist, wenn es sich reimt; es sei denn es ist ein Haiku oder Senryu. Das sind auch Gedichte, aber es reimt sich nicht, weil es aus Japan stammt. Zum Beispiel ungefähr so (wirklich nur ganz ungefähr, bleibt mir also mit der unkorrekten Anzahl der Moren usw. vom Leib, ich hab jetzt andere Probleme):

Das Glas will ich leeren
In einem Zug
Ohne zu atmen.

Der kleine Leo versteht das überhaupt nicht. Er möchte, dass ich "Der Wein war ein Gedicht" von Fritz Eckenga hier zum Besten gebe. Ich erkläre im was zu Urheberrechten und dass wir uns das im Zweifel nicht leisten können, weil der Herr Eckenga – Glück für ihn, Pech für uns – keinesfalls schon tot ist und schon gar nicht seit mindestens 70 Jahren. Aber auf facebook könne man das doch teilen, da stünde eigens ein kleiner Button mit f drunter.

Der Leo soll lieber seinen Nikolausbeitrag schreiben, Nikolaus kommt immer so plötzlich. Und ich muss ja dann auch noch seine sehr kreative Rechtschreibung richten. Ich schreib hier jetzt selber was zu Wein und Lyrik, Weinlyrik, reim Dich oder ich fress Dich. Marc, Marc what have you done, you made a fool of everyone …

Thadäus Troll kommt mir in den Sinn, dieser wunderbare schwäbische Volksdichter im besten Sinne "Schreiben kann ich, mir fällt bloß nichts ein …"


In der vor uns liegenden Adventszeit werden wir ja wieder stärker von Lyrik verfolgt mit Lyrik konfrontiert. Kindergartenkinder memorieren ein ums andere Mal "Denkt Euch, ich habe das Christkind gesehn ….", in jedem Büro sitzt einer, der den Loriot intus hat, mit der blauenden Nacht und dem fach- und portionsgerecht zerteilten Förster, später kommt dann, um den Bogen zum Wein wieder zu bekommen, die Oberföhringer Vogelspinne hinzu. Größere Kinder sind angehalten, daheim vor der Bescherung ein Gedicht aufzusagen, in Bildungsbürgerhaushalten Möricke "Gesegnet sei die Heilige Nacht, die uns das Licht der Welt gebracht! …." oder Storm "Die fremde Stadt durchschritt ich sorgenvoll, der Kinder denkend, die ich ließ zu Haus…."

(C) Konditorei Heinemann, MG
Advent: Glitzernde Dekorationen garniert mit Glühwein und Punsch. Und Christstollen. Vater liebt Christstollen "Schatz, der Stollen, ein Gedicht! Nach dem Rezept von meiner Mutter?" Der Stollen ist von Heinemann. Er ist jedes Jahr von Heinemann, das ist all die Jahre gut gegangen, das wird auch dieses Jahr wieder gut gehen. Seitdem Mutter den Stollen nicht mehr selber bäckt, herrscht im Haus vorweihnachtlicher Frieden.

Sonntags gibt's dann Stollen zum Kaffee und später einen Süßwein, eine Rieslingauslese aus der Pfalz "Hol doch mal den leckeren Wein, den das Kind letzt mitgebracht hat" Das Kind bin ich und ich werde ewig Kind bleiben, egal von welcher Seite ich mich der 50 nähere. Vater holt eine Flasche aus dem Keller und beide freuen sich, wie das funkelnde strohgelbe Getränk in den Gläsern strahlt. Natürlich hat Mutter die guten, die geschliffenen Gläser aus dem Schrank geholt, der Farbe bricht sich so fein in den eingravierten Blüten. Man genießt den intensiven Aprikosenduft, Trockenaprikosen und Pflaumen, Birnen, Zitrusduft, Honig und Mandeln, auch ein wenig Milchschokolade. "Ein Gedicht" seufzt Mutter und beschließt, das Abendessen ausfallen zu lassen. Süße Weine machen satt.

2007 Birkweiler Kastanienbusch Riesling Auslese
Dr. Wehrheim, Pfalz

Und jetzt zur Verkostungslyrik:

Wenn ich auch sonst nie um einen (dummen) Spruch verlegen bin, beim Wein wollen mir oft keine Worte einfallen, diesen manchmal recht flüchtigen Zauber zu beschreiben. Die Aromen, ja die kann ich riechen und schmecken und doch kann ein Wein, der nach Aprikose und getrockneter Birne riecht, der mineralisch ist und ausgewogen zwischen seiner Säure und seiner Süße, der kann göttlich sein und einen für einen Moment ganz weit weg mitnehmen in eine Wolke von Duft, Seide, Glanz, Glück. Oder er ist "ganz o.k.". Oder lecker.

Dieser hier zeigt mir ein wunderbares Zusammenspiel aus filigraner Eleganz und Bodenständigkeit, komplex, ausgewogen, klar und doch durch und durch ein Pfälzer Bub, seinem Boden, seinem Terroir verhaftet und in der ganzen Welt zu Hause.

Zum Schluss teile ich noch eines meiner Lieblingsgedichte, das mich in seiner Schlichtheit immer wieder aufs Neue berührt, das in mir eine selige träumerische Ruhe ausbreitet, wie es auch ein guter Wein zu tun vermag.

Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort,
Und die Welt hebt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort.
(Joseph von Eichendorff)

Ab Sonntag geht es hier auf Hundertachtziggrad° vorweihnachtlich weiter; treue Leser unseres Blogs freuen sich schon seit Wochen darauf, die anderen lassen sich überraschen.

Und alle Rallyebeiträge könnt Ihr hier nachlesen.

Freitag, 22. Februar 2013

Empört Euch! Aber richtig!


Ja, Mensch, regt Euch mal ordentlich auf! Ist doch wahr! Verschaukelt werden wir nach Strich und Faden! Das soll einem nicht die Hutschnur hochgehen! Pferdefleisch in der Lasagne! Brötchen in der Frikadelle! Pangasius in der Gastronomie! Pestizidrückstände im Wein! Spinne in der Yuccapalme.

Denn Empören ist wichtig, schon wegen der Gesundheit. Nicht ausgelebte Empörung führt zu Magen-, Herz- und Kreislaufbeschwerden. Und korrekte Empörung gibt einem das gute Gefühl, auf der richtigen Seite zu stehen, zu den Guten zu gehören, denn wenn sich so viele empören, dann ist da schon was dran – muss ja.



Richtiges Empören will aber gelernt sein. Und da wir ein serviceorientiertes Blog sind, gibt es hier den ultimativen 180°-Empörungseinführungskurs.

Also erst mal suchen wir ein Thema. Eine ordentliche Empörung braucht keinen Grund, ein Thema reicht. Das kann ein Werbespot sein, in der ein groß gewachsener junger Mann in der Metzgerei eine Wurstscheibe bekommt "damit er groß und stark wird!" oder ein mäßig unterhaltsamer Artikel einer Frauenzeitschriftsredakteurin über skateboardfahrende Enddreißiger, man muss nur die Ungeheuerlichkeit der Aktion, die persönliche Betroffenheit und die politische Unkorrektheit der Aussage betonen. Dabei kann man zunächst ruhig etwas schwammig bleiben, die Meute erledigt schon den Rest.

Besser ist natürlich ein richtiger Grund, eine veritable Sauerei möglichst mit kriminellem Hintergrund, wobei allerdings die Empörungsforschung noch sehr in den Kinderschuhen steckt und über die Gesetzmäßigkeiten weitgehend Unkenntnis herrscht, aufgrund derer ein Thema als Empörungsauslöser geeignet ist bzw. wirklich zu einer handfesten Empörung führt und welche Themen trotz höchsten Potenzials auch nicht den kleinsten medialen Aufschrei verzeichnen können. Natürlich, Sex/ismus oder wenigstens was mit Frauen geht immer.

In jedem Fall muss die Empörung wirkungsvoll arrangiert werden, da ist das Publikum heute schon anspruchsvoll geworden. Dabei ist wichtig, das Thema mit markanten und vor allem leicht verständlichen Slogans zu versehen und drastisch in Szene zu setzen. Mit anklagendem Unterton und klar verteilten Rollen von Gut und Böse (dazwischen gibt es nichts, schon der besseren Unterscheidbarkeit wegen) auf ein unberechen- und unbeeinflussbares Schicksal hinweisend, das seinen Lauf nimmt und dem wir hilflos ausgeliefert sind, verkörpert durch "die Politik", "die Banken", "die Industrie" oder wenigstens "die Gesellschaft". Und am Ende steht die Katastrophe! Immer! Und was für eine! Wir haben es ja schon immer gewusst! Wir werden alle sterben!

Ihren Niederschlag finden muss die Empörung auf den Onlineseiten der einschlägigen Presse (wozu unterhalten die sonst die Kommentarfunktion), sowie "im Internet" hier vertreten durch facebook, twitter, Google+ oder das Lieblingsforum, um nur die Wichtigsten zu nennen. Das ist das Praktische an der neuzeitlichen Empörung, es geht alles von zu Hause aus, genau wie Schuhe oder Bücher kaufen (ach nee, Bücher geht ja im Moment gerade nicht, aber das wird schon wieder – siehe weiter unten) oder auch Wein oder Wäscheklammern.

Nehmen wir mal als Beispiel die Currywurst bei McDonalds, was hätte da bei richtiger Inszenierung alles draus werden können, ein richtiger Shitstorm.

Es hatte alles so gut angefangen. Die Meldung wurde lanciert, die ersten Kommentare erschienen und nun hätte es einer konzertierten Aktion empörungsbereiter Menschen bedurft, um die Sache richtig  ins Rollen zu bringen. Es muss dann nämlich alles ganz schnell gehen: Postings auf der facebook-Seite des Unternehmens, Kommentare bei den Onlinepublikationen mit Verlinkung aufs eigene Blog, wo man in einem Artikel mit wohl gesetzten Worten nicht weniger als den Untergang des christlichen Abendlandes beklagt (wichtige Vokabeln: "Die Deutschen sind ja immer…", "Verbrecher aus Berlin/Brüssel/Washington" – wichtig im allgemeinen Empörungszusammenhang: Moskau, Tokio oder Peking funktioniert nicht! " Neidkultur!", "Geiz ist geil!" usw.). Im vorliegenden Fall wäre die Redewendung von der Vergewaltigung eines deutschen Essensklassikers durch das profitgierige und Regenwald zerstörende (oder Mitarbeiter ausbeutende, oder beides) Unternehmen, oder auch der Untergang der deutschen Imbisskultur nicht nur angemessen sondern absolut erforderlich gewesen. Hilfreich auch kleinere Nebenkriegsschauplätze über den Anspruch, in seiner Region die einzig wahre richtige Currywurst zu beherbergen, wenn man aus Hamburg, Berlin oder Bochum stammt.

Eigentlich sind global agierende vor allem amerikanische Unternehmen eine Bank, so shitstormtechnisch gesehen. Vorsicht ist nur geboten bei Apple und facebook, ersteres hat nicht nur einen großen Feindeskreis sondern auch eine immens große Fangemeinschaft – übrigens genau wie der Thermomix, aber das ist eine schlechte Ausgangslage für den Netzempörungsanfänger, um hier etwas zu bewegen, dazu muss man schon lange im Geschäft sein. Und bei facebook sind wird ja alle mehr oder weniger, selbst der Leo.

Wichtig ist, dass die Empörung, die sich zum Shitstorm auswachsen soll, auch Erwähnung in den klassischen Medien, in Funk, Fernsehen oder Tageszeitung findet. Meistens freuen sich die dort arbeitenden Journalisten über kleine Hinweise, denn sie müssen ja immer irgendwie ihre Rubriken "Vermischtes" oder die letzten 90 Sekunden einer Nachrichtensendung mit irgendwas füllen. Ein kleiner Link auf der Facebookseite eines Senders/einer Zeitung reicht, irgendein Praktikant wird dort immer abgestellt, um das Netz nach Verwertbarem zu durchforsten, und der freut sich über jeden Fund. Als flankierende Maßnahme muss, wenn sich erste Abnutzungserscheinungen am Thema zeigen, mit einer Online-Petition nachgeholfen werden, hier ein Beispiel für eine solche.

Und ganz wichtig: Ein vernünftiger Shitstorm braucht sein Timing, zwischen Sexismusdebatte, Papstrücktritt, Amazonskandal und Pferdelasagne kann man einfach nicht auch noch eine Currywurst reinschieben, selbst wenn sie vom Hoeneß kommt, was eigentlich als Verstärkerfunktion mehr als ausgereicht hätte. Man hätte im vorliegenden Fall lediglich auf ein Shitstormsommerloch warten müssen und ihn dann lancieren. Denn, der Anlass muss keinesfalls ein aktueller sein. Irgendwer findet immer etwas in den Tiefen des Netzes, das man mal wieder aufwärmen kann, es muss noch nicht mal richtig wahr sein.

Natürlich braucht jede Empörung ein paar kritische und besonnene Gegenstimmen, schon weil - ja warum eigentlich? Nun ja, sieht dann auch richtig demokratisch aus. Aber ihrem Wesen nach ist die großangelegte mediale Empörung eine Einbahnstraße.

And now the shit has hit the fan: Gewonnen hat man, wenn das bestürmte Unternehmen oder die Person/Institution sich zu Äußerungen genötigt sieht, Abhilfe oder Wiedergutmachung verspricht, Gegendarstellungen und Klarstellungen veröffentlicht ("… eine Gefährdung der Bevölkerung hat zu keinem Zeitpunkt bestanden …", "… werden die Zustände umgehend untersuchen … ") oder sonstwie versucht, die Sturmwogen zu glätten oder sogar personelle Konsequenzen zieht. Denen glaubt keiner was, selbst wenn es der Wahrheit entspricht; wer reagiert hat Unrecht und wer im Auge des Shitstorms steht, ist der Böse.

Jede mediale Empörung, jeder Shitstorm hat eine natürliche Lebensdauer, in der Regel liegt diese bei zwei bis vier Wochen, letzteres ist schon ein Spitzenwert. Danach ist alles gesagt, von allen und mehrfach und nur noch langweilig. Shitstorming ist übrigens durch und durch olympisch: Dabeisein ist alles! Hauptsache, man hat auf der richtigen Seite gestanden und von ganz vielen Leuten Recht bekommen und ein "gefällt mir". Und irgendwann muss man auch nicht mehr zu seinen Ankündigungen stehen, wen oder was man alles ob seiner Verfehlungen boykottieren, abwählen oder ignorieren wird.

Und die Zuschauer dieser Ereignisse lehnen sich zurück und beobachten das Ganze amüsiert, wetten mit sich, wie lange die Empörung wohl noch anhält und welche Sau als nächstes durchs Dorf getrieben wird.

Samstag, 2. Juni 2012

Schiffsweine


Früher mag ja alles besser gewesen sein; aber der Wein nicht; ganz bestimmt nicht! Jedenfalls nicht bei unserem seit langer Zeit einmal im Jahr stattfindenden Segeltörn. Da gab es früher nur und ausschließlich Bier. Okay; was Klares natürlich auch. Aber Wein zuerst gar nicht und wenn dann nur in der Schorle- Kategorie.

Aber wenn schon die Schiffe mit der Zeit größer und komfortabler wurden, könnte doch auch das Drumherum ein wenig mitgehen. Zumal zumindest ich kaum mehr Bier trinke. Also kümmere ich mich seit einigen Jahren um die Weinversorgung für den Ausflug. Was mir großen Spaß macht, und bei Beachtung einiger Hinweise auch recht gut ankommt:
  • Ein Wein mit feiner animierender Säure empfiehlt sich eher nicht; zumindest nicht als Stillwein. 
  • Etwas Süße, oder zumindest das obere Ende der Trockenskala schadet auch nicht.
  • Gerne auch Rosé und ein wenig moussierend. Am besten Beides.
  •  Auf keinen Fall irgendeinen Wein, der als „edel“ eingestuft werden könnte. Man wird ja eh schon als leicht abgehoben taxiert ;-)
  • Der Wein muss auf einem Niveau sein, das man selbst gerne mit trinkt, darf aber preislich keinesfalls über der „ein oder maximal zwei Grad-Kategorie“ liegen. Dabei ist es völlig unerheblich, ob die Kosten umgelegt werden oder nicht. Es geht darum, die genussfeindlichste aller Fragen („Ist der Wein das wert“) zu vermeiden.

Hier ein Auszug aus der diesjährigen Auswahl mit kurzen Verkostungsnotizen:

Freitag, 20. Mai 2011

Das Märchen vom Käse und vom Rotwein


Es war einmal und es ist als sei es erst gestern gewesen, da herrschte König Emilionius über das kleine Reich von Gourmantinien, gleich neben dem Herzogtum Aliqua gelegen. Der König war weit über die Grenzen seines Reiches bekannt, weil er die herrlichsten Gastmähler ausrichtete, zu denen alle Herrscher der benachbarten Königreiche und Herzogtümer eingeladen werden wollten. Was immer auf des Königs Tisch geladen wurde, das wurde binnen kurzer Zeit in aller Welt ebenfalls gebacken, gebraten, gekocht oder geschmort.

Nun trug es sich aber zu, dass an des Königs Tisch nur wenige Gäste Platz hatten, neben dem König selbst, der Königin Pomerolante und ihrer liebreizenden Tochter Marguerite. So waren die königlichen Gästelisten immer wieder eine Sache, die dem Zeremonienmeister Admiral Segelbaisser den Sorgenschweiß auf die Stirne trieb, denn wenn beispielsweise der Marquis vom Unteren Fluss und der Herzog von Tuskien eingeladen waren, konnte man den Herzog vom Oberen Etsch nicht übergehen, ganz zu schweigen vom Bischof Capricornus Saccus.

Und als die Königstochter freien sollte und alle Königssöhne von weit und fern angereist kamen, um um die Hand Margueritens anzuhalten, da wusste Admiral Segelbaisser keinen Rat mehr, wie alle Gäste zu platzieren. Marguerite aber ward nicht nur schön sondern auch klug und wusste einen Rat. Die besten Käser des Reiches sollten ihre Erzeugnisse zum Königshof bringen und statt eines Gastmahles würden alle Gäste die verschiedenen Käsesorten verzehren, die auf großen Tischen dargeboten wurden. Dazu würde der königliche Hofbäcker Meister Pistolius lange weiße Brote backen und man würde allerlei Früchte und Nüsse  aus den königlichen Gärten dazu reichen. Die Gäste bräuchte man auf diese Weise nicht um einen Tisch zu setzen, sie würden von Tisch zu Tisch wandern, um sich an den Köstlichkeiten zu laben.

So geschah es und Königssohn nach Königssohn betrat den großen Kronsaal und machte Marguerite und ihren Eltern seine Reverenz. Marguerite wurde ganz schwindelig, aber sie war sich ihrer dynastischen Pflichten bewusst, nur hoffte sie, dass doch einer dabei war, der ihr auch ein wenig gefiele. "Tochter, sag an" flüsterte ihr König Emilionius ins Ohr "wen wirst Du zum Manne nehmen, auf dass er nach meinem Tod über unser Königreich herrsche!" Marguerite seufzte und versuchte auf Zeit zu spielen "Ich werde den nehmen, der mir den besten Wein zu unserem Käse mitbringt!"

Admiral Segelbaisser verkündete also die Aufgabe und die Königssöhne zogen in ihre Heimatländer, um die besten Weine den ihre Winzer zu machen verstanden oder ihre Kaufleute zu bieten hatten, in Fässer zu füllen, um ihn dem König und seiner Tochter  zu offerieren. Marguerite hatte also eine gute Woche Zeit gewonnen.  Danach kamen die jungen Männer und brachten die teuersten Weine aus Burgund und Bordeaux, aus dem fernen Spanien, den Provinzen Italiens, einer reiste sogar in das ferne Amerika, um einen Wein zu holen, aber er kehrte leider niemals von seiner Reise zurück.

König Emilionius war ein großer Liebhaber kräftiger Rotweine, was natürlich jeder wusste, und so hatte ein jeder Königssohn einen Rotwein mitgebracht. Der König und sein Gefolge ließen sich die edlen Tropfen schmecken, an den Käse dachte er nicht mehr, der stand im Speisesaal und roch schon ein wenig streng. Und der König beschied, dass der junge Königssohn aus dem Paysdeoui, dessen Wein so wunderbar nach Kirschen und Lakritze duftete und der voller Kraft war, dass dieser seine Tochter zur Frau haben solle. Der König hatte auch an der neuen Tafelmode Geschmack gefunden und von nun ab gab es jeden Samstag Rotwein und Käse.

So war es und nicht anders und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute …..

Hier ist die Geschichte nun zu Ende und deswegen werden noch heute große Platten der unterschiedlichsten Käse mit Früchten und Nüssen und einem Rotwein serviert, denn was eines Königs Tafel ziert, das steht auch einem Bürger gut an.

Was die Geschichtenerzähler uns verschwiegen haben ist nun, wie es nach der Hochzeit von Marguerite und dem Prinzen aus dem Paysdeoui weiterging.

Mittwoch, 23. März 2011

Ein Sekt für den König

Die königliche Sommelière ist auch noch ganz geschafft von den Lustbarkeiten und sah sie doch mit sorgenvollem Blick, wie das Volk dem Herrn König die Kellervorräte weggetrunken hat. Nur gut, dass die edlen Bordeaux, Tokajer und Champagner gut verschlossen hinter der schmiedeeisernen Tür lagern und ganz vorne im Keller die Fässer des gemeinen Zechweines.

Am Ende des Festes aber, als alle Gäste gegangen waren und die Dienerschaft sich ans Aufräumen machte, überraschte die Frau des Königs den Gemahl und die engsten Mitarbeiter, also die Herrscherin über die Niederlassung Süd, den königlichen Praktikanten und die königliche Sommelière mit einer streng gehüteten Schüssel der Lachsforelle und diesen köstlichen Parmesancrackern .

Da stieg die Sommelière noch einmal in den Keller und brachte ein Getränk, das würdig war, die Regentschaft des Königs ausklingen zu lassen. Und so saßen die königlichen Getreuen im Kerzenlicht bei

Pi No. 8 brut
Ökonomierat Rebholz, Pfalz
°°°

einem wunderbaren Sekt, der zart nach den Birnen derer von Ribbeck zu Ribbeck duftete und nach reifen Äpfeln und den blühenden Mandelbäumen, die die königlichen Gärten zierten. Die zarte Perlage belebte die von den vielen Genüssen schon ein wenig müden Gaumen, man schmeckte ein wenig Brioche, Mineral, grade soviel Süße, dass der Sekt nicht ganz trocken wirkte gepaart mit anmutiger Säure und einem wunderbar beschwingten Abgang.

Es lebe der König!
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