Wir brauchen ein Thema für unser Weihnachtsmenü. Ein Menü
ohne Thema geht gar nicht, ein Menü ohne Thema ist wie Bouillabaisse ohne Fisch
oder wie Fußball ohne Ball.
Also Brainstorming bei 180°, der Praktikant kommt wie immer
zu spät, weswegen der Leo das Protokoll übernommen hat, unerbittlich alle 10
Minuten Zwischenstände zusammenfasst und dabei immer wieder mahnt:
"Vergesst nicht, wir sind ein serviceorientiertes Blog!" Da der
Praktikant immer noch nicht zum Meeting erschienen ist, sorgt die Idee, statt
eines Weihnachtsmenüvorschlages im Blog den Praktikanten zu verlosen, der beim
glücklichen (?) Gewinner ein solches kocht, für mindestens weitere 10 Minuten
Albernheiten. Dann erscheint auch der Praktikant, erklärt etwas zu
Arbeitnehmerrechten und dass Arbeitnehmerüberlassung nicht in seinem
Praktikantenvertrag stehe, die Idee wird fallen gelassen. Der Praktikant macht
sich ein Bier auf.
Das Thema steht: KuK-Küche, Arbeitstitel: Weihnachten bei
Sisi; aber bitte keine Sisi-Geschichten! Und dabei bedenken, dass KuK nicht nur
Wien ist, ja noch nicht mal nur Österreich! Ungarn, Böhmen, Tschechien, ja
zeitweise gehörte sogar die Toskana zum Habsburger Reich.
Wie jetzt? Keine Sisi? Kein Franzl? Kein Erzherzog …. Auch keine Sisi-Parodien
schiebt die Toni noch nach! Also auch keine Bully Herbig Anspielungen und noch
nicht mal die allerkleinste Erwähnung dieser herrlich tuntigen "Beuteljahre einer Kaiserin" von Walter Bockmayer ??? Wieso dann eigentlich noch KuK? Damit die Toni eine geniale "Wir sind Kaiser" Folge schreiben darf! Küß die Hand, Frau Gräfin!
Ja und was mach ich? Kottan, übernehmen Sie! In fünf Wochen ist Weihnachten! Mir egal, I geh eh ned hin! Aber zum Essen wolln's doch sicher was? Naa, naa, nur an Kaffee.
Ja dann soll der Pilch ihm halt einen mitbringen:
Ich begeb mich derweil ans Zwischengericht
Dazu verbinde ich einen Strudel mit der toskanischen Idee der Involtini, kleine Rouladen, in unserem Nachbarland auch Vögerl genannt (ich weiß, normalerweise wird das Fleisch für die Rouladen/Vögerl nicht aus dem Filet geschnitten, aber wir wollten uns ja der Originalrezeptdiskussion enthalten):
Hasenvögerl mit Gemüsestrudel von steirischen Käferbohnen
Hasenvögerl mit Gemüsestrudel von steirischen Käferbohnen
für 4 Personen
Strudel
50 g Käferbohnen (in Deutschland als Feuerbohnen bekannt)
150 g Spitzkohl
2 EL Kürbiskerne
3 EL Sauerrahm
2 EL geriebener Hartkäse
1 Eigelb
1 TL Majoran
Pfeffer, Salz, Rosenpaprika
1 EL flüssige Butter
1 EL Semmelbrösel
Am nächsten Tag das Wasser von den eingeweichten Bohnen abschütten, kurz mit klarem Wasser
spülen und etwa 75 Minuten in leicht gesalzenem Wasser gar kochen. Den
Spitzkohl in Salzwasser blanchieren, er sollte noch ein wenig Biss haben, in
ein Sieb schütten und mit kaltem Wasser abschrecken, gut abtropfen lassen, in ein Tuch geben und gut ausdrücken. Die Kürbiskerne in einer Pfanne
anrösten und grob zerkleinern.
Den Teig auf einer bemehlten Fläche ausrollen (Strudelteig nicht ganz so dünn ausziehen, wie man es normalerweise machen
sollte), mit Semmelbröseln bestreuen.
Sauerrahm, Eigelb und Käse verrühren, mit Majoran,
Salz, Pfeffer und Rosenpaprika würzen, die Kürbiskerne zugeben und den Teig mit
der Masse bestreichen. Das Gemüse auf die Ei-Rahm-Masse geben und den Teig
vorsichtig (ggf. mit Hilfe eines untergelegten Küchentuchs) aufrollen, die Seiten verschließen, mit der
Nahtseite nach unten auf ein mit Backpapier belegtes Blech geben und mit
flüssiger Butter einpinseln; etwa 40 Minuten bei 180° backen.
Hasenvögerl
1 Hasenrücken
4 Scheiben roher mild geräucherter Schinken
4 große oder 8 kleine Salbeiblätter
1 Granatapfel
Pfeffer
100 ml Wildfond
100 ml Rotwein
1 Zweig Rosmarin
2 Wacholderbeeren
ggf. 1 TL Mehlbutter
Die Filets aus dem Hasenrücken auslösen. Aus den Knochen und
Parüren einen Fond ziehen (Rezept siehe hier).
Dies kann man bereits am Vortag erledigen.
Die Filets in vier gleich große Stücke schneiden, einschneiden und plattieren (siehe Bild), so dass man vier kleine Schnitzelchen erhält. Jedes Schnitzelchen kräftig pfeffern und mit einer Scheibe Schinken und den Salbeiblättern belegen, zusammen rollen und mit einem Zahnstocher fixieren.
Die Filets in vier gleich große Stücke schneiden, einschneiden und plattieren (siehe Bild), so dass man vier kleine Schnitzelchen erhält. Jedes Schnitzelchen kräftig pfeffern und mit einer Scheibe Schinken und den Salbeiblättern belegen, zusammen rollen und mit einem Zahnstocher fixieren.
Den Granatapfel halbieren, einige Kerne als Dekoration
beiseite legen, die Frucht dann auspressen und den Saft auffangen.
In einer Pfanne Butterschmalz erhitzen, die Wacholderbeeren
und den Rosmarin hinzugeben, dann die Vögerl in schäumendem Butterschmalz von
allen Seiten anbraten, insgesamt etwa 10 Minuten, dann aus der Pfanne nehmen
und in Alufolie gewickelt warm halten. Fond und Wein in die Pfanne geben, den
Bratensatz loskochen und alles bei starker Hitze etwa auf die Hälfte einkochen lassen, den
Granatapfelsaft dazu geben und alles noch einmal auf die Hälfte reduzieren. Wer eine Sauce mit mehr Bindung haben möchte, kann jetzt etwas Mehlbutter
einrühren.
Anrichten:
Die Zahnstocher aus den Fleischröllchen nehmen und diese
einmal quer halbieren. Zusammen mit eineroder zwei Scheiben Strudel auf einem
vorgewärmten Teller anrichten, ein paar Granatapfelkerne darüber geben und mit
der Sauce nappieren.
Wer an dieser Stelle nun auch die passenden Weine erwartet hat, der muss sich noch ein wenig gedulden. Am 30.11. findet die November-Weinrallye statt mit dem Thema "Food Pairing - Essen zum Wein - Wein zum Essen", die wir hier auf Hundertachtziggrad als Gastgeber betreuen. Und dann werden zu unserem Weihnachtsmenü die passenden Weine eingeschenkt, als guter Gastgeber weiß man ja, was sich gehört.




Hmmm .... sicherlich super lecker!!!
AntwortenLöschenKann man doch an einem stink-normalen Wochenende nachkochen ...oder? ;-)
Der Seyffenstein hat im Hofprotokoll nachgeschaut, der Küchenmeister hat nix dagegen, die Augenweide ist Vegetarierin (die isst eh nur den Strudel), der Vormärz ist auf Diät, der Schrammel recherchiert, der Pilch ist grad am Kaffeeutomaten, also
Löschenja!
;o)
Irgendwie fühlt sich so ein reiner Essensbeitrag von Dir ein bisschen nackig an, susa. Aber die Beweinung kommt ja diesmal als besonderes Highlight.
AntwortenLöschenUnd für die elegante Kurve ein Saltimbocca vom Hasen kuk fähig zu bekommen gebührt besondere Hochachtung! Küss die Hand, Frau Kollegin! :)
Einmal durch die ganze, sauber recherchierte KuK-Küche, sehr schön.
AntwortenLöschenUnd dann noch die weihnachtliche Tellerdekoration: als Tannenzweig getarnter Rosmarin mit kleinen roten Granatapfeltannenbaumkugeln.
Sehr großartig, liebe susa!!!
Was mich ja wirklich fertig macht, ist, dass ich mich beim besten Willen nicht mehr erinnern kann, mir ein Bier aufgemacht zu haben. Stimmt aber sicher, nach diesem Grmpfh Stau…
AntwortenLöschenUnd nach wie vor gut finde ich ja, dass wir wirklich keinerlei Klischees oder Posen bemühen. Nicht mal unsere eigenen B-)
Ein Link zu meinem Blog direkt neben einem Link zu Elines Blog - ich fühle mich ganz arg gebauchpinselt! :)
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